Anthropic-Bericht: KI im Einsatz für Spionage und Desinformation
Anthropic hat seinen Bedrohungsbericht veröffentlicht. Darin dokumentiert: ein Desinformationsnetzwerk mit fast 9.000 Artikeln auf 70 gefälschten Nachrichtenseiten und Angriffe, die vom Einbruch bis zum Datenabfluss nur zwei bis drei Stunden brauchten.
Was Angreifer tatsächlich mit KI machen
Anthropic hat am 10. September 2026 seinen Bedrohungsbericht für den Zeitraum Dezember 2025 bis August 2026 veröffentlicht. Er beschreibt Fälle, in denen Claude für Angriffe missbraucht wurde und die Konten gesperrt werden mussten.
Drei der dokumentierten Fälle
- Eine Spionagegruppe griff mit KI-gestützten Arbeitsabläufen über 20 Regierungs- und Verteidigungsziele in der Ukraine und Europa an
- Eine kriminelle Gruppe analysierte 1,8 Millionen Android-Apps automatisiert auf abgreifbare Zugangsdaten
- Ein Netzwerk für bezahlte Desinformation produzierte 8.913 Artikel auf 70 gefälschten Nachrichtenseiten auf sechs Kontinenten
In einem Fall wurden über 300.000 Identitätsdatensätze gestohlen. Manche Angriffe brauchten vom ersten Zugriff bis zum Abfluss der Daten nur zwei bis drei Stunden.
Die Einordnung
Der Bericht sagt nicht, dass KI neue Angriffsarten erfunden hätte. Er sagt, dass bekannte Angriffe schneller, billiger und in größerem Umfang laufen. Die Zielauswahl treffen weiterhin Menschen, die Ausführung übernimmt zunehmend die Maschine.
Das gefälschte Nachrichtennetzwerk ist der Teil, der jeden betrifft: Fast 9.000 Artikel, die aussehen wie normale Berichterstattung. Die alte Faustregel, dass man unseriöse Texte an schlechter Sprache erkennt, funktioniert nicht mehr. Was bleibt, ist die Frage nach der Quelle: Wer betreibt die Seite, wer steht als Autor darunter, und findet sich dieselbe Meldung bei einer Redaktion, die man kennt?